Landwirtschaftsminister Meyer: Niedersächsische Landesregierung will Landesjagdgesetz ändern

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ÖkologischerJagdverein Niedersachsen und Bremen e.V. (ÖJV-NB)
Pressemitteilung – Hannover, 21.04.13

Landwirtschaftsminister Meyer: Niedersächsische Landesregierung will Landesjagdgesetz ändern – Bleifreie Munition in Landesforsten kommt.

Hochkarätige Podiumsdiskussion: „Die Umwelt zeigt, ob die Jagd stimmt“

Am Sonnabend, 20. April 2013, war der niedersächsische Minister für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz Christian Meyer Gastredner auf der in Hannover stattfindenden Mitgliederversammlung des Ökologischen Jagdvereins Niedersachsen und Bremen e.V.

Landwirtschaftsminister Christian Meyer sprach sich für eine „zeitgemäße naturnahe Jagd“ aus. Mit Verweis auf die Koalitionsvereinbarung betonte der Minister den fachlich orientierten Dialogprozess zur notwendigen Änderung des Landesjagdgesetzes. Er betonte, dass er kein Jagdgegner sei; die Jagd habe sich, wenn Sie in Zukunft Bestand haben soll, den veränderten Rahmenbedingungen in der Landschaft und der Gesellschaft anzupassen. Hier sei ein Einklang mit dem Nationalen Programm zur biologischen Vielfalt beabsichtigt. Dem Tierschutz als Staatsziel in der Landesverfassung sollen gesetzliche Regelungen im Jagdrecht folgen. Die Landesregierung plane, eine Tierschutzverbandsklage und einen Tierschutzbeauftragten einzuführen. Die Anforderungen des Natur- und Artenschutzes sollen hier berücksichtigt werden.

Das Thema Gänsejagd in Naturschutzgebieten (EU-Vogelschutzrichtlinie, Flora-FaunaHabitat-Gebiete, Beispiel: Pettkumer Deichvorland) solle gelöst werden. Aktuell plane die Landesregierung eine kleine Jagdgesetznovelle mit Anpassung an die EUVorgaben. In 2014/15 ist eine große Novelle der Jagdrechtsreform geplant. Minister Meyer verweist hier auf die Kosten der Wildschäden mit Verweis auf die Berichte des Landesrechnungshofes. Die Wildfütterung und missbräuchliche Kirrungen sind abzuschaffen, der den Revieregoismus schafft.

Die bleifreie Munition werde in den Landesforsten eingeführt. Da der Wolf auch schon im Westen Niedersachsen angekommen ist, solle das Wolfsmanagement weitergeführt werden. In einem anschließenden Impulsreferat berichtete Klaus Borger (Staatssekretär a.D. aus dem Saarland) über die Entstehungsgeschichte der fast verwirklichten Reform des Landesjagdgesetzes im Saarland. Kurz vor der Verabschiedung des Gesetzes zerbrach dann die damalige „Jamaika-Koalition“ (Schwarz-Gelb-Grün). Das vom Jagdpraktiker Borger im Hauptreferat vorgestellte Modell aus dem Saarland überzeugte in längst überfälligen Punkten wie Aussetzung der Abschussgebühr auf Trophäenträger oder der grundsätzlichen Ausrichtung einer „dienenden“ Jagd an Fragen des Wald- und Landschaftsschutzes.

In der anschließenden Podiumsdiskussion zum Thema „Die Umwelt zeigt, ob die Jagd stimmt“ diskutierten Minister Christian Meyer und Klaus Borger mit Elke Meier vom Naturschutzbund Niedersachsen, Hans-Joachim Janssen, MdL (Fraktion Bündnis 90/Die Grünen), Walter Mänz (Hochschule für angewandte Wissenschaft und Kunst Göttingen), Arne Riedel vom Nds. Forstamt Unterlüß der Landesforsten und Edmund Haldenwang von der Arbeitsgemeinschaft Naturgemäße Waldwirtschaft zu Änderungsvorschlägen zum Jagdrecht. Diskussionsschwerpunkte waren Fütterung von Wildtieren, „Massentierhaltung“ von Schalenwild im Wald und Feld und Abschaffung der Pflichttrophäenjagd.

Minister Meyer betonte, dass das Gänsemanagement eindeutig neu geregelt werden müsse hinsichtlich Gebiete, Jagdzeiten und Jagdarten. Hans-Joachim Janssen, MdL möchte bestimmte Tier- und Wildarten aus der Bejagung heraus nehmen, da deren Bestand bedroht sei. Walter Mänz forderte eine verbesserte Jagdscheinausbildung. In der derzeitigen Jagdausbildung werde zu wenig über den Lebensraum und Ökologie der Wildtiere gelehrt. Mänz verweist auf ein Problem: Die Exekutive funktioniere hier nicht. Wenn bisheriges Recht eingehalten würde, hätten wir nicht die großen, massiven Probleme, die wir jetzt haben. Die Kontrolle bestehender Gesetze sei nicht gegeben. Arne Riedel, Landesforsten Niedersachsen betonte, dass die Landesforsten intensiv am WaldWild-Problem und an der Umsetzung des LÖWE-Programmes arbeiten, er fordert eine waldgerechte Jagd. Er weist darauf hin, dass zur Zeit massive Vermehrungen von Damwild, vor allem im Westen Niedersachsen und von Rotwild (wie in der Lüneburger Heide) stattfinden. Er forderte, eine Veränderung der Jagdzeiten ab 1. Aug. für Rot- und Damwild, damit dann bereits Schmaltiere und Kälber erlegt werden könnten. Die Jagd auf männliches Rehwild soll bis zum 31.Jan. möglich sein. Mindestabschusspläne für Rehwild wären auch ein probates Mittel, genau wie der körperliche Nachweis.

Hierin wurde er bestärkt von Edmund Haldenwang, Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Naturgemäße Waldwirtschaft Niedersachsen e.V. Haldenwang forderte eine Abschaffung der Fütterung und der Pflichttrophäenschauen. Renate Ankelmann (Tierschutzverein Verein Bunte Kuh Leer e.V.) und Eilert Voß vom Wattenrat (vormals „Konferenz der Natur- und Umweltschutzverbände Ost-Friesland“) wurden für ihre Verdienste im Arten- und Tierschutz ausgezeichnet. 

Am Ende der Veranstaltung wurde im Rahmen der Mitgliederversammlung der Forstsachverständige Ludwig Artmeyer als neuer Vorsitzender einstimmig gewählt. Dem bisherigen aus privaten Gründen zurückgetretenen Vorsitzenden Jürgen Oppermann wurde für seine umfangreiche geleistete und sehr erfolgreiche Arbeit gedankt.

Verantwortlich für den Text:

Ludwig Artmeyer, Vorsitzender des Ökologischen Jagdverein Niedersachsen und Bremen e.V.

(Tel. 0172-1694417).

pdf Die Umwelt zeigt, ob die Jagd stimmt