Neonikotinoide

Der Ökologische Jagdverein Niedersachsen und Bremen e. V. (ÖJV) begrüßt ausdrücklich das Vorhaben des Landwirtschaftsministers Meyer, eine naturverträgliche Politik unter Hinwendung zur Produktion gesunder Nahrungsmittel aus bäuerlichen Betrieben zu begünstigen. Um dieses Ziel zu erreichen, empfiehlt der ÖJV dringend die Anwendung von Neonicotinoiden auf die Insektenwelt zu untersuchen, und nicht nur auf ihre Bienenschädlichkeit, die inzwischen hinlänglich bekannt ist.
Wie aus dem Landesjagdbericht des Landes Niedersachsen 2011/2012 hervorgeht, verzeichnet dieser in diversen Regionen einen dramatischen signifikanten Zusammenbruch der Populationen von Fasanen und Rebhühnern, ohne die Ursachen sicher bestimmen zu können. Zwar war sich die Fachwelt darin einig, dass im Zuge der Flurneuordnungen in Deutschland ein erheblicher Verlust an Lebensräumen zum Absinken der Artenvielfalt führte, jedoch erklärt das nicht den plötzlichen Abfall der Fasanen- und Rebhuhnbestände bis zum Grade der völligen Auslöschung der Populationen in kürzester Zeit. Zwar schob die konservative Jägerschaft die Schuldzuweisung den Prädatoren zu, doch musste sie bald erkennen, dass die Verfolgung der Beutegreifer nicht zum erhofften Erfolg führte.
Während das rätselhafte Verschwinden der Arten frei lebender Vögel zum Gegenstand von Vermutungen führte, veröffentlichte der Toxikologe Henk Tennekes eine wissenschaftliche Studie, aus der hervorging, dass ein möglicher Zusammenhang mit neuartigen Insektiziden nicht auszuschließen sei.
Als nun in den letzten Jahren ein bisher unbekanntes Bienensterben allein in einem Jahr in Deutschland 11.000 Bienenvölker zerstörte, fiel der Verdacht auf ein Pestizid, welches in seiner Wirkung auf Insekten um das 1.000- bis 10.000-fache von DDT übersteigt. Diese Pflanzengifte sind sogenannte Neonikotinoide, die im Fachhandel angeboten wurden bzw. werden und unter anderem die Wirkstoffe Imidacloprid und Clothianidin enthalten.
Es stellte sich heraus, dass neben der Varroamilbe „Varroa destructor“ durch die Neonikotinoide erhebliche Verluste an Bienenvölkern zu beklagen waren. Daraufhin verbot die EU im Frühjahr die Anwendung dieses Pflanzenschutzmittels ab Dezember 2013 bei Mais, Sonnenblumen sowie Raps, wobei die nicht von Bienen besuchten Kultur- und Wildpflanzen unberücksichtigt blieben. Das führte zu einer dramatischen Vernichtung vieler Insektenarten, die viele Vögel zur Aufzucht ihrer Jungen benötigten.
Es dürfte davon auszugehen sein, dass neben der intensiven Landwirtschaft jetzt auch noch die restliche Insektenfauna und somit die davon betroffene Vogelwelt der Vernichtung durch Neonikotinoide als Teil unserer Biosphäre entgegengeht.
Wenn wir nicht sofort und energisch die rücksichtslose Ausbeutung der Natur und seiner Ressourcen beenden, wird ein Wort Albert Schweizers bittere Wahrheit:
„Der Mensch hat die Fähigkeit, vorauszublicken und vorzusorgen, verloren. Er wird am Ende die Erde zerstören.“

im Mai 2014
Gerhard Hinze, Ehrenvorsitzender des ÖJV-NB
Quendorfer Str. 106, 48465 Schüttorf, Tel. 05923 6796