Umfrage Ergebnisse

Der ÖJV-NB e. V. hat im Jahr 2008/2009 eine Umfrage unter Revierleitern zur Durchführung von Drückjagden an Landes- und Bundesstraßen erfolgreich umgesetzt. Der Fragebogen wurde an eine Vielzahl von Forstämtern und Jägern geschickt, die sich zu einem erheblichen Anteil intensiv mit den Fragen auseinander gesetzt haben. Wir möchten uns bei allen Teilnehmern herzlich bedanken, insbesondere auch den niedersächsischen Landesforsten (www.landesforsten.de) für die rege Beteiligung.

Material:

  • 53 ausgefüllten Fragebögen
  • Eine Gesamtfläche von 56014 ha Bundes- und Landesstraßen nahen Wäldern wird in der Umfrage berücksichtigt.
  • 16 berücksichtigte Waldflächen besitzen eine Größe bis zu 300 ha. Alle anderen Wälder sind größer.
  • Eine Gesamtlänge von 370 km Bundes- oder Landesstraße grenzt an diese Waldflächen.

Durchführung von Drückjagden

  • In 62% der berücksichtigten Wälder finden regelmäßig, d. h. mindestens einmal jährlich, Drückjagden statt.
  • In 17% der Fälle, bei denen nicht regelmäßig eine Drückjagd durchgeführt wird, wurde angegeben, dass auf die regelmäßige Durchführung von Drückjagden aufgrund der Verkehrssituation verzichtet wird.

Angaben zu Wildunfällen auf den betroffenen Straßen

VorsichtWildwechsel

  • In 47% der Reviere ereignen sich auf den betroffenen Landes- und Bundesstraßen jährlich mehr als fünf Wildunfälle. Bei weiteren 32% kommt es jährlich zwischen zwei und fünfmal zu Wildunfällen.
  • Bei einem Viertel der Reviere, in denen Drückjagden durchgeführt werden, liegen bei den Revierleitern Erfahrungswerte vor, die nahe legen, dass durch die Durchführung einer oder mehrer Drückjagden die Zahl der Wildunfälle reduziert wurde. Nach den Angaben der meisten dieser Revierleiter ist ausschlaggebend, dass sich der Schalenwildbestand in den Revieren nur mit Drückjagden in der notwendigen Form regulieren lässt.

Verkehrssicherungsmaßnahmen auf den Landes- und Bundesstraßen während der Durchführung von Drückjagden

AchtungJagdbetrieb

  • Es bestehen große Unterschiede in Bezug auf die während einer Drückjagd durchgeführten Verkehrssicherungsmaßnahmen.
  • In 42% der Fälle werden ausschließlich Warnschilder „Vorsicht Jagdbetrieb“ oder ähnliches aufgestellt.
  • Überholverbot und eine Geschwindigkeitsbegrenzung auf 50 km/h wird auf den Bundes- und Landesstraßen bei einem guten Viertel der Reviere während der Drückjagd angeordnet. Bei 16% wird die Geschwindigkeit auf 30 km/h reduziert.
  • Straßensicherung durch anwesende Polizei erfolgt nur in zwei Revieren.
  • In keinem der Reviere wird eine Sperrung der Bundes- oder Landesstraße zur Durchführung einer Drückjagd eingeleitet.
  • Zahlreiche Revierleiter haben in Ihren Kommentaren hervorgehoben, dass Verkehrs-sicherungsmaßnahmen im Zusammenhang mit der Durchführung von Drückjagden sehr schlecht befolgt werden. In einzelnen Fällen wurden aus diesem Grund auch Straßensperrungen oder die Präsenz von Polizei gefordert, um eine größere Sicherheit zu gewährleisten.

Durchführung der Beunruhigung

  • Bei Drückjagden werden in 42% der betroffenen Reviere Beunruhigungen ausschließlich mit Treibern durchgeführt.
  • In 48% der Fälle werden zusätzlich oder ausschließlich auch Hundeführer mit kurzjagenden Hunden eingesetzt.
  • Klassische Stöberjagden werden nur selten durchgeführt (n = 4 bzw. 9%).

Sicherheitsabstand 

  • Es werden sehr unterschiedliche Sicherheitsabstände eingehalten, bzw. die Bedeutung dieser Sicherheitsabstände auch sehr unterschiedlich eingeschätzt.
  • 24 Revierleiter haben angegeben, dass Sie die Beunruhigung auch in einem Bereich von weniger als 100 m zur Bundes- oder Landesstraße durchführen, in 8 Fällen sogar in einem Abstand von weniger als 50 m. 14 dieser 24 Revierleiter (58%) setzen Hundeführer mit kurzjagenden Hunden für die Beunruhigung ein. Die Mehrzahl dieser 24 Revierleiter (n = 17) misst einem Sicherheitsabstand keine oder nur eine geringe Bedeutung für die Verkehrssicherheit bei.
  • Auf der anderen Seite wurden in 19 Revieren Sicherheitsabstände von mehr als 100 m eingehalten. Die entsprechenden Revierleiter messen einem Sicherheitsabstand eine deutlich größere Bedeutung bei.

Beurteilung der Einflussfaktoren auf die Verkehrssicherheit (Frage 18)

Die Bewertung der vorgegebenen Einflussfaktoren fiel bei den Revierleitern sehr unterschiedlich aus (s. Fehlerbalken in der Abbildung 1). Grundsätzlich wurde jeder Faktor von mindestens je 5 Revierleitern mit keiner bzw. mit hoher Bedeutung bewertet (0 = keine, 1 = geringe, 2 = mittlere, 3 = hohe Bedeutung). Unter den beeinflussbaren Faktoren erzielten die „Form der Beunruhigung“ und der „insgesamt ausgeübte Jagddruck“ hohe durchschnittliche Werte von 1,7 bzw. 1,6. Die „Art und Weise der Verkehrssicherung“ bekam eine Bewertung von 1,4. Der Richtung des Treibens bezüglich des Straßenverlaufes wurde die geringste Bedeutung beigemessen (1,2). Von den vorgegebenen Parametern erzielte „das Vorkommen von Wildwechseln über die Straße“ als Risikofaktor die höchste Bewertung (1,8, Abbildung 1).

einflussfaktoren

 

1 Form der Beunruhigung (z. B. der Verzicht auf frei jagende Hunde)

2 insgesamt ausgeübter Jagddruck

3 Sicherheitsabstand zur Straße

4 Richtung des Treibens bezüglich des Straßenverlaufes

5 lokale Gegebenheiten (z. B. Größe und Lage des Waldes)

6 Vorkommen von Wildwechseln über die Straße

7 die vorkommenden Wildarten

8 die Art und Weise der Verkehrssicherung

Deutliche Unterschiede zwischen den Wildtierarten

Schalenwildarten reagieren bei Drückjagden sehr unterschiedlich. Das unterschiedliche Fluchtverhalten beeinflusst die Verkehrssicherheit bei Drückjagden. Dies wurde durch die Ergebnisse der Umfrage sehr eindrucksvoll bestätigt. Das Schwarzwild wurde von 72% der Revierleiter als kritisch in Bezug auf die Verkehrssicherheit eingestuft. Im Gegensatz dazu bewerteten nur 12% der Revierleiter Rehwild als kritisch. Rotwild erzielte mit 32% eine mittlere Bewertung.

Zeitliche Veränderung der Verkehrsgefährdung

Die Hälfte der betroffenen Revierleiter hat angegeben, dass sich nach ihren Erfahrungen bzw. Einschätzungen die Gefahr für den Verkehr bei der Durchführung von Drückjagden im Verlauf der Jahre vergrößert hat. Ausschlaggebend hierfür war zum einen die Zunahme des Verkehrs (Angabe von 90% dieser Gruppe von Revierleitern) zum anderen wurde aber auch in 30% dieser Fälle die Zunahme der Schalenwildbestände als Ursache (mit-)angegeben. Verhaltensveränderungen des Wildes im Verlaufe der Jahre als Reaktion auf die Durchführung von Drückjagden besitzen nach den Ergebnissen dieser Umfrage keine Bedeutung für die Verkehrssicherheit bei der Durchführung von Drückjagden.